Die Kunst der Porzellanherstellung – Zu Besuch bei der KPM Berlin

Mit der Königlichen Porzellan-Manufaktur und mir war es Liebe auf den ersten Blick. Die rosa Bulb Vase hat mein Herz bereits im Sturm erobert und auch das hübsche Kurland Service sorgt für Herzklopfen bei mir. Als die KPM mich kürzlich nach einem Date in ihrer Manufaktur fragte, war klar, dass ich nur zu gerne vorbeischaue.

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Einen Blick hinter die Kulissen in eine der ältesten und bekanntesten Porzellan-Manufakturen der Welt zu werfen, ein Traum für mich. Ich habe einen ausgewachsenen Faible für Handgemachtes, schöne Dekogegenstände und Kaffeetassen in allen Formen und Farben. Dabei geht mir Qualität schon länger über Quantität. Ich glaube irgendwann kommt man an einen Punkt im Leben, da weiß man, was einem gefällt und ist gerne bereit etwas mehr Geld für Dinge auszugeben, an denen man lange Freude hat.

Noch dazu liebe ich es Neues zu lernen und der Prozess der Porzellanherstellung war für mich auf jeden Fall Neuland.  Dass das Porzellan bei der KPM Berlin größtenteils von Hand gefertigt wird, war mir zwar klar – wieviele Schritte es allerdings bis zum fertigen Produkt braucht und wieviel Liebe zum Detail in jedem einzelnen Stück steckt war mir nicht bewusst. Umso beeindruckter war ich am Ende des Tages. Ich habe sogar einen wirklich tiefen Respekt vor den Menschen in der Manufaktur verspürt, für das was sie dort fabrizieren, oder sagen wir lieber manufakturieren 🙂

Und da nicht jeder alle Tage in eine Porzellan-Manufaktur kommt, gebe ich mein neu erlerntes Wissen heute gerne an euch weiter.

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Die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin kurz KPM, produziert regional in ihrer Manufaktur in Berlin. Von der Herstellung des Porzellans bis zur handbemalten Verzierung passiert hier alles.

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Die Herstellung von Porzellan ist aufwändig und erfordert viel Erfahrung und Geduld. Die Porzellanmasse besteht etwa zur Hälfte aus Kaolin und zu je einem Viertel aus Feldspat und Quarz. Die genaue Rezeptur ist allerdings ein wohlgehütetes Geheimnis.

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Mit Wasser vermischt, werden die Ausgangsstoffe gesiebt und von Fremdstoffen befreit. Nach der Entwässerung des sogenannten Schlickers wird die Masse in Feuchthaltekellern bei fast hundertprozentiger Luftfeuchtigkeit gelagert.

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Ein Modelleur erstellt dann nach der Zeichnung des jeweiligen Künstlers von freier Hand ein erstes Gipsmodell. Auch hier ist höchstes handwerkliches Können gefragt. Um das Modell herum wird dann eine mehrteilige Arbeitsform aus Gips gebaut. Mit ihr werden erste Muster aus Porzellan hergestellt.

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Hohlteile, wie zum Beispiel Vasen, werden gegossen. Hierfür wird die Masse in einem großen Rührwerk zu Gießmasse verarbeitet.

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Die produzierten Einzelteile werden von einem Formengießer aus den Kunststoffeinrichtungen zu Arbeitsformen zusammengesetzt. Bei einer Kaffeekanne werden beispielsweise Körper, Tülle, Henkel, Deckel und Knopf einzeln produziert und erst später zusammengesetzt. So können leicht 11 bis 15 Formenteile zusammenkommen. Solange die Masse noch feucht ist, kann das Porzellan auch geschnitten werden. Das erfordert ein Höchstmaß an Geschicklichkeit und Geduld. Für einige Produkte müssen rund 3.000 Schnitte exakt von Hand gesetzt werden

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Nach einer Qualitätskontrolle wird die Ware zum ersten Brand gegeben. Beim zweiten Brennvorgang, schrumpft das Porzellan um 16%.

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Danach erfolgt das sogenannte Blautauchen. Dabei werden die Porzellane in eine organische blaue Farbe getaucht, die später bei einem zweiten Brand komplett verbrennt. Sie macht feinste, mit dem bloßen Auge nicht erkennbare Fehler sichtbar.

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Nur einwandfreie Teile erhalten anschließend das Zeichen der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin, das kobaltblaue Zepter mit den Buchstaben KPM. Der Rest wird als B-Ware verkauft oder gar vernichtet.

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Mit Ausnahme der Flachgeschirre werden nun alle Porzellanteile von Hand in eine mit Glasur gefüllte Wanne getaucht.

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Neben unifarbenen Stücken gibt es natürlich auch aufwändig verzierte Produkte. Den künstlerischen Ruf der Manufaktur haben vor allem auch die Dekore im Stil naturalistischer Blumenmalerei mitbegründet. Sie sind frei von Hand gemalt und immer ein Unikat. Jeder Porzellanmaler hat seine eigene Handschrift und kennzeichnet das von ihm bemalte Stück mit seinem Kürzel. An manchen Stücken sitzen die Porzellanmaler sogar bis zu einem halben Jahr.

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Bis zu 12 Stationen durchlaufen die Stücke von der Rohmasse bis zum fertigen Endprodukt. Ist das nicht der Wahnsinn? Da bekommt das Wort Handarbeit doch wirklich nochmal eine ganz andere Bedeutung. Es war ein beeindruckender Tag, mit besonderen Einblicken in die Philosophie des Unternehmens. Ich habe einen Heidenrespekt vor jedem Mitarbeiter. Vom Gießer, über Designer bis zum Porzellanmaler merkt man, wieviel Liebe und Passion im Unternehmen steckt. Und wieviel Können, ich sags euch, ich habe am Schluß noch versucht einen Teller selbst zu bemalen, unfassbar wie schwierig das ist. Besonders die neuen Wege die bei der KPM eingeschlagen werden, wie zum Beispiel die wunderschöne Kooperation mit Bottega Veneta oder die neue LAB Reihe mit ihrem prämierten Kaffeefilter, die angelehnt an früheres Laborporzellan ist, zeigen das Tradition und Moderne super Hand in Hand gehen können.

Meinen morgendlichen Kaffee aus meiner Kurland Tasse sehe ich nun in jedem Fall mit ganz anderen Augen.



In liebevoller Kooperation mit KPM 

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1 Comment

  1. Julia
    Juni 22, 2016 / 05:57

    Wow, ich wusste nicht was da alles dahintersteckt! Ich finde es toll, dass alles an einem Fleck produziert wird, wo gibt’s das heute schon noch? Jetzt will ich auch ein Stück davon 🙂
    Schöner Beitrag, gerne mehr von solchen Herstellungsprozessen und Firmen.
    Liebe Grüße

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